Steuerliche Hinweise und Dispositionen zum Jahreswechsel 2009/2010

Steuerliche Hinweise und Dispositionen zum Jahreswechsel 2009/2010

Zum Jahresbeginn 01.01.2010 werden wieder umfangreiche und weitreichende steuergesetzliche Änderungen und Reformen in Kraft treten. Als wichtige Änderungsgesetze im Jahre 2009 sind zu nennen: Konjunkturpaket II, Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), Bürgerentlastungsgesetz Krankenversicherung, Steuerhinterziehungsbekämpfungsgesetz.
Die einzelnen wichtigen Änderungen und geplanten Neuregelungen für 2009 und 2010 habe ich Ihnen für eine bessere Übersicht wieder nach den verschiedenen Einkunftsarten und Personengruppen geordnet

Änderungen 2010

Für alle Steuerpflichtigen

  • Der Grundfreibetrag wird voraussichtlich nachträglich zum 01.01.2009 um 170 € erhöht und wird dann noch mal zum 01.01.2010 um weitere 170 € erhöht.
  • Der Eingangssteuersatz wird voraussichtlich von 15% auf 14 % gesenkt. Die Tarifeckwerte werden zum 01.01.2009 um 400 € und zusätzlich zum 01.01.2010 um weitere 330 € erhöht.
  • Damit weist der Einkommensteuertarif folgende Eckwerte auf:
    Steuersatz 14 % bis 24 % – 2009: 7.835 € – 13.139 € – 2010: 8.005 € – 13.469 €
    Steuersatz 24 % bis 42 % – 2009: 13.140 € – 52.551 € – 2010: 13.470 € – 52.881 €
    Steuersatz 42 % – 2009: 52.552 € – 250.400 € – 2010: 52.882 € – 250.730 €
    Steuersatz 45 % – 2009: über 250.400 € – 2010: über 250.730 €

    Bei verheirateten Steuerpflichtigen verdoppeln sich diese Tabellenwerte.
  • Weitere Tarifänderungen sind ab 2011 vorgesehen, aber noch nicht beschlossen.
  • Der Kinderfreibetrag soll ab 2010 von 6.024 € auf 7.008 € erhöht werden. Das Kindergeld soll für alle Kinder um 20 € auf dann z.B. 184 € für das erste und zweite Kind erhöht werden.
  • Die Hinzuverdienstgrenze der Kinder für die Gewährung des  Kinderfreibetrag und Kindergeldes wird von 7.680 € ab 2010 auf 8.004 € erhöht.
  • Die Beiträge zur (Basis-)Krankenversicherung sind bei den abzugsfähigen Sonderausgaben nunmehr unbeschränkt abzugsfähig, allerdings werden die anderen Versicherungsbeiträge (Unfall, Leben, Haftpflicht u.a.) unter strengeren Kürzungsvorschriften als beschränkt abzugsfähigen Sonderausgaben berücksichtigt.
  • Für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen wurde die  Förderung von 20% der Lohnaufwendungen von max. 600 € auf max. 1.200 € ab 2009 erhöht.

Für alle Arbeitnehmer

  • Faktorverfahren
    Für verheiratete Arbeitnehmer mit der Steuerklassekombination III/V wird zur Vermeidung einer zu hohen Lohnsteuer ein kompliziertes Faktorverfahren eingeführt. Danach wird für beide Eheleute die Lohnsteuerklasse IV mit einem besonderen Faktor ausgestellt.
  • Wiedereinführung der Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit dem früheren Rechtsstand aus 2006.

Für alle selbständig Tätige

  • Befristete Wiedereinführung der erst ab 2008 abgeschafften degressiven Absetzung für Abnutzung für nach dem 31.12.2008 und vor dem 01.01.2011 angeschafften Wirtschaftsgüter auf höchstens 25%.
  • Geschäftsbeziehungen zu Steuer-Oasen
    Bei Geschäftsbeziehungen zu Steuer-Oasen bestehen ab 2010 besondere Aufzeichnungspflichten, wenn die Aufwendungen aus dieser Geschäftsbeziehung über 10.000 € liegen sollten.
  • Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung
    Die Größenmerkmale wurden für die Jahre 2009 bis 2011 angehoben
    – von 235.000 € auf 335.000 € Bilanzwert
    – von 100.000 € auf 200.000 € Gewinn bei Freiberuflern und Gewerbebetrieben mit Einnahme-Überschuss-Rechnung
    – von 125.000 € auf 175.000 € Wirtschaftswert bei Landwirten.
  • Zinsabzugsbeschränkungen
    Die Freigrenze soll von 1.000.000 € auf 3.000.000 € erhöht werden (Betrifft i.d.R. nur Großbetriebe)
  • Neues Bilanzrecht ab 01.01.2010
    Durch das Bilanzmodernisierungsgesetz (BilMoG) wurden Änderungen zu Buchführungs- und Bilanzierungspflichten sowie Änderungen bei der Bewertung von Bilanzpositionen beschlossen.
    Befreiung von der Buchführungs- und Bilanzierungsvorschriften gilt für EINZLELKAUFLEUTE bei Umsatzerlösen bis 500.000 € und Jahresgewinn bis 50.000 € in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren (Rückwirkung ab 2008)
    Für KAPITALGESELLSCHAFTEN gelten Befreiungen und Erleichterungen bei der Bilanzierung, Prüfung und Offenlegung des Jahresabschlusses. Als „kleine“ Kapitalgesellschaft gilt nunmehr ab 2010:
    – Bilanzsumme unter 4.840.000 € (bisher 4.015.000 €)

    – Umsatzerlöse unter 9.680.000 € (bisher 8.030.000 €) und
    – Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt unter 50 (wie bisher)

Für Arbeitgeber

  • Durch das ELENA-Verfahren müssen alle Arbeitgeber ab dem 01.01.2010 für jeden Beschäftigten eine monatliche Meldung an die Zentrale Speicherstelle der Sozialversicherung abgeben. Für die von unserer Kanzlei erstellten Lohnabrechnungen werden diese Meldungen erstellt. Sinn dieser Verpflichtung ist die Bereitstellung der von den Sozialbehörden bei Sozialleistungsbezug des Arbeitnehmers angeforderten Daten hinsichtlich seiner Beschäftigung.
  • Bestimmte Arbeitgeber sind bereits seit 01.01.2009 verpflichtet, bei Arbeitsaufnahme des Arbeitnehmers sog. „Sofortmeldungen“ an die  Sozialversicherung zu melden. Betroffen hiervon sind die Branchen Gaststätten, Baugewerbe, Transport und Logistik, Speditionen, Messebau, Schausteller, Speditionen, und – neu – Fleischereihandwerk.
    Wichtig: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Arbeitnehmer auf die  Pflicht schriftlich hinzuweisen, dass der Personalausweis mitzuführen sei. Die Verletzung dieser Pflichten wird beim Arbeitgeber mit Geldbußen von 1.000 € und beim Arbeitnehmer mit Geldbußen von 5.000 € sanktioniert.

Erbschaftsteuer

  • Die Reform der Erbschaftsteuer zum 01.01.2009 soll wieder geändert werden. So ist vorgesehen, die Steuerbelastung für Geschwister und Geschwisterkinder (Neffen/Nichten) auf einen neuen Stufentarif von 15 % bis 43 % (bislang 30% bei Vermögen bis 6.000.000 €, darüber 50% ) zu ändern.
    Die Bedingungen für die Unternehmensnachfolge sollen entschärft werden hinsichtlich der Zeiträume innerhalb dessen das Unternehmen weitergeführt werden muss. Die Lohnsummenregelung soll reduziert werden.

Umsatzsteuer

  • Die Berechnung der Umsatzsteuer nach vereinnahmten Entgelten („Ist-
    Versteuerung“) statt nach vereinbarten Entgelten kann von Unternehmen bis zu einem Umsatz von 500.000 € (bisher 250.000 €) in Anspruch genommen werden.
  • Ab dem 01.01.2010 soll für das Beherbergungsleistungen im Hotelgewerbe der Umsatzsteuersatz von 19 % auf 7 % ermäßigt werden.
  • Leistungsort bei innergemeinschaftlichen sonstigen Leistungen
    Mit Wirkung ab 01.01.2010 haben sich die Vorschriften für die Bestimmung des Leistungsortes für die sonstigen Leistungen grundlegend geändert. Nach alter Regelung ist – mit Ausnahmen – der Ort, von dem aus der Unternehmer sein Unternehmen betreibt der Leistungsort. Die Neuregelung bestimmt nunmehr, dass die sonstige Leistung am Empfängerort ausgeübt wird. Praktische Bedeutung und geändert haben sich die Umsätze für Managementleistung bei international operierender Unternehmensgruppen und bei  Vermittlungsleistungen.

Schlussbemerkungen

Diese vorgenannten Informationen sollen Ihnen eine erste Orientierung über die Neuregelungen ab dem Jahre 2010 dienen. Bei Fragen bitte melden. Wir helfen gerne weiter. Noch ein Hinweis in eigener Sache. Auch in diesem Jahr werde ich wieder auf die sonst üblichen Kartengrüße zu Weihnachten und zum Jahreswechsel verzichten. Dafür erhalten wiederum der Förderverein der Kinderkrebsklinik, Köln und die Diakonie Haus Salierring, Köln von mir eine Zuwendung.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein gutes und friedvolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das Jahr 2010.
Mit freundlichem Gruß – und – empfehlen Sie uns weiter
Peter Kempers


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